Ijsselmeer / Markermeer / Waddenzee

Die finale und wohl auch spannendste Etappe unserer Flussreise war wohl der Rhein. Von der gefährlichen Gebirgsstrecke durch die Loreley bis zu den großen Städten Köln und Düsseldorf war alles dabei…

Der Rhein von Schierstein bis Hoorn

Der Rhein hat eine Länge von rund 1.233 km und ist eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen Europas. Er gliedert sich in die Bereiche Alpenrhein, Hochrhein, Oberrhein, Mittelrhein und Niederrhein sowie den Niederländischen Rhein. In Mainz sind wir, vom Main kommend, bei Kilometer 497 gerade noch in den Oberrhein eingefahren.
In Schierstein, wenige Kilometer nach der Mainmündung, haben wir den Rhein wieder verlassen. Schierstein hat ein großes Hafenbecken, welches einem kleinen See gleicht. Hier gibt es einige Wassersportzentren. Eines ist sogar ein Segelbootzentrum bei dem auch Regatten veranstaltet werden.

Den Rhein entlang haben mich verschiedene Crews begleitet. Von Schierstein bis Düsseldorf sind Renate und Manfred aus Linz zu mir an Bord gekommen. Von Düsseldorf bis Hoorn ist Ignaz wieder mitgefahren, der damals in Saal an der Donau von Bord gegangen ist. Mit ihm habe ich das letzte Stückchen Fluss befahren.

13.06.21 Stromkilometer 506 - Schierstein - Koblenz

Crewwechsel 1: Schierstein

Ein denkwürdiger Tag für Taranga. Für mich und die Crew sowieso. Wir mussten durch die gefährliche Gebirgsstrecke fahren. Das Bingener Loch und die Loreley sind für jeden Flussschifffahrer immer eine Herausforderung. Um den Rhein durchgängig schiffbar zu machen, sprengte man
kurzerhand eine Schneise ins Gebirge. Teile der gesprengten Felsen liegen heute noch im Fluss. Bei Niederwasser haben Schiffe teilweise Schwierigkeiten durchzukommen. Wir hatten Glück. Wir kratzen gerade unter der Hochwassergrenze. So ging`s dann recht zügig mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 24,5 km/h durch Bingen.

Weil ich ja schon im Vorhinein von verschiedenen Kollegen vor der Gebirgsstrecke gewarnt wurde, hatte ich ein mulmiges Gefühl als wir kurz vor der Loreley waren. Die Empfehlung der Kollegen war, sich an einen bergabfahrenden Frachter anzuhängen, da dann das Verkehrsleitsystem auf unserer Seite grün zeigt und wir problemlos durchfahren können. Dummerweise war gerade zu der Zeit kein bergabfahrender Schubverband in Sicht. Vorsichtshalber habe ich die Revierzentrale Oberwesel angefunkt um zu fragen wie es verkehrstechnisch aussieht. Als Sportschiff wurden wir nicht ernst genommen. Auf die Frage ob die Durchfahrt aufgrund des Verkehrs nicht gefährlich sei war die Antwort „Das ganze Leben ist gefährlich“. So haben wir uns hineingestürzt ins Getümmel. Glücklicherweise kam uns niemand entgegen und wir sind unbeschadet durchgekommen.

Nach 5-stündiger Fahrt kam dann schon die Abzweigung am „Deutschen Eck“ wo wir in die Mosel eingebogen sind um in Koblenz Station zu machen. Wir hatten uns dort deswegen einen Liegeplatz gesucht, weil wir vermuteten, dass es da ruhig sein wird. Eine Schleuse war noch zu bewältigen. Kurze Zeit nach der Schleuse, ein Stückchen die Mosel bergauf, hatten wir angelegt. Klaus, ein ausgewanderter Kärntner hat uns am Steg empfangen. Am Abend spazierten wir zum Abendessen und zur Besichtigung nach Koblenz. Mit dem Taxi fuhren wir wieder zurück, tranken noch einen Absacker und gingen mit einem Sack Erlebnisse zu Bett.

14.06.21 Stromkilometer 592 - Koblenz - Köln

Von Koblenz bis Köln ging es wieder zügig bergab. 

Wir sind um 7:30 Uhr früh in Koblenz gestartet. Nachdem wir nach der Schleuse wieder beim  „Deutschen Eck“ in den Rhein eingefahren sind, ging es wieder ziemlich schnell zur Sache. So kamen wir 6 Stunden später dann in Köln an und hatten in dieser Zeit eine Strecke von 96 km zurückgelegt, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16km/h entspricht.

Köln war sehr nett, denn wir trafen unsere Freunde von der Linssen wieder. Am Nachmittag haben wir mit ihnen am Achterdeck ein ein paar gute Augustiner Bier geleert. Abends suchten wir uns ein Gasthaus und aßen Rumpsteak im schattigen Gastgarten unter Bäumen. Gut gesättigt ging es in die Koje um am nächsten Tag die letzte Etappe mit meiner ersten Rhein – Crew bis Düsseldorf zu schippern.

15.06.21 Stromkilometer 687,5 - Köln - Düsseldorf

Von Düsseldorf aus mussten Renate und Manfred nach Hause fahren.

Die Abfahrtszeit des Zugs war 14:30 Uhr vom Düsseldorfer Hauptbahnhof. Die heutige Etappe betrug lediglich 56 km. Trotzdem starteten wir um 08:00 in Köln. Die 56 km waren in 3 Stunden gut zu bewältigen. Um 11:15 lagen wir im Düsseldorfer Stadthafen fest. Der Hafenmeister hat uns nett empfangen, meinte lediglich, dass es sein könnte, dass ich mich vielleicht diese Woche noch umlegen muss. Aber das ist nicht sicher.

Renate und Manfred habe ich dann noch zur Straßenbahn begleitet und Geld behoben für die Liegegebühr.

Da ich in Düsseldorf sowieso zwei volle Hafentage hatte, weil Ignaz erst am Donnerstag Abend anreist und ich mich mit meinem Freund Schicki erst am Mittwoch verabredet hatte, habe ich gleich am Nachmittag noch ein Nickerchen eingelegt. 

Am Abend kochte ich mir noch ein Tiroler-Gröstl, damit auch noch die letzten alten Vorräte aufgebraucht wurden. Vorm schlafen gehen, genoss ich noch ein zwei Dosen Diebels Altbier und ging gut gelaunt zu Bett.

16.06.21 Hafentag 1 Düsseldorf

Zuviel Hitze in dieser Stadt, ein Falco Klassiker lässt erahnen, wie hoch die Temperaturen im Düsseldorfer Stadthafen waren. Teilweise hatte ich bis zu 37 Grad in der Kajüte. Egal. Heute ist echt ein super Tag. 

Mein alter Schulfreund Schicki ist extra aus Dortmund angereist, um mich zu besuchen. Er nahm auch gleich Jessica mit, eine Bekannte, die gerne mal die Taranga besichtigen wollte. Erst hatten wir ein paar Bierchens an Bord getrunken und anschließend machten wir die Altstadt unsicher. Im „Füchschen“, eine Empfehlung von Katha, einer guten Bekannten aus Holland, tranken wir Altbier bis zum sprichwörtlichen Abwinken. Wenn der Deckel drauf ist, hat der Kellner erbarmen und man bekommt nichts mehr eingeschenkt. Was auch gut war, leicht beduselt wankten wir noch an die Rheinpromenade und tranken Absacker in der Abendsonne. Spät Abends begleitete ich noch Schicki und Jessica zum Hauptbahnhof, weil sie ja noch nach Dortmund mussten, da sie ja am nächsten Tag arbeiten sollten.

17.06.21 Hafentag 2 Düsseldorf

Crewwechsel 2: Düsseldorf

Fast genauso heiß wie am Vortag, saß ich im Schatten der Bäume und wartete bis Ignaz in Düsseldorf ankommt um mich bis nach Hoorn zu begleiten. Um 16 Uhr war es dann so weit und er erwartete mich bereits an Bord, nachdem ich noch unterwegs war um etwas Schatten zu suchen.

Er brachte auch die neue Funkantenne mit, die wir im laufe des Nachmittages noch installierten. Als das ganze System mit der neuen Antenne dann aktiv war, konnten wir gleich Schiffe im Umkreis von 40 Kilometern am AIS sehen. Mission geglückt. Am Abend gingen wir dann noch einmal ins Füchschen essen und bekamen am Rande mit, dass die Österreicher von den Holländern mit 2:0 besiegt wurden.

18.06.21 Stromkilometer 743,5 - Düsseldorf - Emmerich am Rhein

Aufgrund der extrem heißen Temperaturen sollte es zeitig in der Früh losgehen. 

Um 06:15 machten wir die Leinen los und dampften Stromabwärts den Rhein entlang durch das Ruhrgebiet wo riesige Schlote an eine florierende Wirtschaft erinnern.
Vorbei an Duisburg, den Rhein entlang, bis nach Emmerich am Rhein. Die letzte Stadt in Deutschland, wo die Bewohner schon mit ziemlich lustigem Akzent sprechen.
Weil wir nicht genau wussten, wie es weitergehen wird, wollte ich unbedingt noch einen Kanister Diesel tanken. Wir rückten mit Ignaz` Klappfahrrad aus und bunkerten noch 28 Liter. Rückwirkend gesehen war das die richtige Entscheidung wie wir später noch sehen werden. Abends gingen wir zum Italiener essen. Anschließend schlupften wir in die Koje.

19.06.21 Stromkilometer 853,5 - Emmerich am Rhein - Tiel

Wir legten wieder sehr früh ab. Zwar hatten wir nur 61 Kilometer vor uns, jedoch wollten wir uns noch die Stadt Tiel ansehen, die übrigens die erste Stadt in Holland war, die wir anliefen. Erst noch ein Stückchen Rhein, dann hielten wir uns links und fuhren in die Waal.

Auf der Waal war sehr viel Verkehr. Klar, alles fährt von oder nach Rotterdam. Die Wellen waren höher als die vom Attersee jemals zuvor. Strömung war vorhanden und so surften wir mit 17 km/h an den dicken Frachtschiffen vorbei. Nach nur 4 Stunden und 61 km später waren wir am Ziel angelangt. In Tiel wurden wir sehr freundlich empfangen. Eine Frau die sagte, dass Sie den Hafenmeister vertritt, half uns beim Anlegen und überreichte uns sogleich den Code für die Türe zum WC und für das Tor am Zaun.

Tiel war eine typisch niederländische Stadt mit Backstein Pflastern und Naturziegelhäusern. Es war Samstag. Samstags ist in Holland Markttag. Obst und Gemüsehändler stehen genauso an der Straße wie Kleider und Blumenhändler. Nachdem wir eine Zeitlang durch das Geschehen geschlendert sind, hatten wir Gusta auf ein Bier. Nach unserer Bierpause gingen wir zufrieden aufs Boot, machten uns einen Thunfisch-Salat, ließen den Abend ausklingen, und gingen schlafen.

20.06.21 Stromkilometer 914,5 - Tiel - Hoorn

Am Morgen beim Aufstehen ahnten wir noch nicht, dass wir an diesem Tag schon unseren Zielhafen erreichen sollten. Eigentlich wollten wir eine Nacht in Amsterdam verbringen. Jedoch auf Grund der Wetterlage entschieden wir uns gleich nach Hoorn durch zu fahren. 

Für Morgen war Starkregen angesagt. Dies veranlasste uns dazu, den reservierten Liegeplatz im Amsterdamer Entrepot – Hafen wieder zu stornieren. Der Hafenmeister zeigte vollstes Verständnis und bedankte sich dafür, dass wir uns abgemeldet hatten. Das scheint nicht Usus zu sein.

Es war Sonntagnachmittag und noch dazu schönes Wetter. Um von Het-Ij in das Marker Meer zu gelangen, muss man durch die „Oranje Sluizen“ durch. Anders als überall bisher geht es hier zu. Ich meldete mich wie gewohnt am richtigen VHF Kanal an und mir wurde gesagt, dass es keinen Grund zu funken gibt, weil sowieso alle der Reihe nach geschleust werden. Nachdem wir zur richtigen Kammer kamen, mussten wir erst einmal anlegen. Blöderweise hatten wir alles auf der falschen Seite vorbereitet und mussten schnell noch alles umbauen. 

Nach zirka einer halben Stunde Wartezeit durften wir einfahren. In Holland laufen die Schleusenvorgänge anders ab als in Deutschland und Österreich. Alles wirkt ein bisschen chaotisch, ist es aber nicht. Die Schleuse selbst war mehr ein Sperrtor als eine Schleuse und so war auch kaum ein Höhenunterschied zu bemerken. 15 Minuten später ging das Tor auf der anderen Seite wieder auf und wir durften genauso zügig ausfahren, wie wir eingefahren sind.

Die Segelboote, die mit uns geschleust hatten mussten vor der Brücke nach der Schleuse warten bis diese aufging. Wir hatten Glück, weil ja unser Mast gelegt war, und so fuhren wir sogleich unter der Brücke durch 🙂

Vorbei an der Insel Marken gings gen Norden. Nach gut drei Stunden Motoren am Markermeer bemerkte ich, dass der Motor wärmer wurde und auch die Geschwindigkeit abzunehmen schien. Erst schob ich es auf die Wellen und den Wind, gab die Info aber an meinen Co-Skipper weiter. Ignaz meinte, es könnte an dem Kraut liegen, das speziell an der Westseite des Markermeeres wächst. Also stoppte ich erstmal, gab Gas Achteraus und siehe da, es kamen eine Menge Pflanzen aus meiner Schraube zum Vorschein. Als ich nun wusste, auf was ich achten musste, sah ich plötzlich ringsum dieselben Pflanzen. Shit dachte ich bei mir, wie sollen wir da wieder rauskommen. Es benötigte ein paar dieser Manöver und schlussendlich schafften wir es doch noch bis Hoorn ohne fremde Hilfe. 

Um ca. 19:00 liefen wir in den Hafen ein und fanden gleich unseren neuen Stammliegeplatz. Ein freundlicher Kerl aus Amsterdam, der sein Boot in Hoorn stationiert hat, half uns beim Anlegen.

Somit ging unsere einmonatige Flussreise an einem Sonntagabend in Hoorn zu Ende.

Boston

Boston

Boston in Massachusetts war die erste Stadt, die wir von Kanada aus mit dem Greyhound Bus anliefen. Weil seit 09/11 keine Mietautos mehr grenzübertretend vermietet werden dürfen, reisten wir mit dem Bus in die USA ein. Am Grenzübergang mussten wir einige Stunden zubringen, ehe wir in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hinein durften. 

Boston ist eine sehr nette Stadt und im Vergleich zu New York ziemlich überschaubar. Als uns der Pizzabäcker fragte, was wir überhaupt hier wollten und warum wir nicht in New York sind, weil ja sogar der Central Park vier mal so groß war wie Boston, da waren wir schon ziemlich neugierig was uns in der „Stadt die niemals schläft“ erwarten würde.

Montreal

Montreal

Montreal liegt im Südwesten der Provinz Quebec. Nachdem uns der freundliche Polizist aus Montreal nicht weiterhelfen konnte, weil er das Wort  „Youth Hostel“ nicht verstand und die Straßenschilder nur mehr auf Französisch angeschrieben waren, gaben wir es auf nach Quebec zu fahren, da wir meinten, dass uns dort mit unserem Englisch sowieso keiner mehr weiterhelfen konnte bzw. wollte. Gott Sei Dank haben wir trotzdem ein „Auberge“ gefunden und sahen uns dann Montreal noch an.

Ottawa

Ottawa

Ottawa, die Hauptstadt Kanadas. Ab hier war alles zweisprachig angeschrieben. Auf Englisch und Französich. Obwohl der Anteil der französisch sprachigen Bevölkerung nur 15% Anteil beträgt. Unsere Jugendherberge befand sich in einem aufgelassenen Gefängnis. Wir durften also in einer Gefängniszelle logieren 🙂

Wasaga Beach

Wasaga Beach

Wasaga Beach ist eine Stadt an der Georgian Bay, eine große Bucht am Lake Huron. Wasaga ist eher ein Touristenspot.Ein Besuch lohnt sich nur, wenn man Freunde besuchen will oder hier Verwandte hat. Für uns war es ein netter Campingplatz wo wir mit französich sprachigen Mädls am Lagerfeuer musiziert hatten.

Toronto

Toronto

Toronto, am Nordwestufer des Lake Ontario gelegen, ist die größte Stadt Kanadas und die Provinzhauptstadt von Ontario. Architektonisch ist Toronto eine sehr interessante Stadt. Über die alten Häuser wurden einfach neue Gebäude aufgesetzt. Dies verleiht der Stadt einen Flair, den es nur hier gibt.
Das Wahrzeichen der Stadt ist der CN-Tower, ein 553 Meter hoher Fernsehturm. Er war bis 2009 der höchste Fernsehturm der Welt.

Der Rhein

Die finale und wohl auch spannendste Etappe unserer Flussreise war wohl der Rhein. Von der gefährlichen Gebirgsstrecke durch die Loreley bis zu den großen Städten Köln und Düsseldorf war alles dabei…

Der Rhein von Schierstein bis Hoorn

Der Rhein hat eine Länge von rund 1.233 km und ist eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen Europas. Er gliedert sich in die Bereiche Alpenrhein, Hochrhein, Oberrhein, Mittelrhein und Niederrhein sowie den Niederländischen Rhein. In Mainz sind wir, vom Main kommend, bei Kilometer 497 gerade noch in den Oberrhein eingefahren.
In Schierstein, wenige Kilometer nach der Mainmündung, haben wir den Rhein wieder verlassen. Schierstein hat ein großes Hafenbecken, welches einem kleinen See gleicht. Hier gibt es einige Wassersportzentren. Eines ist sogar ein Segelbootzentrum bei dem auch Regatten veranstaltet werden.

Den Rhein entlang haben mich verschiedene Crews begleitet. Von Schierstein bis Düsseldorf sind Renate und Manfred aus Linz zu mir an Bord gekommen. Von Düsseldorf bis Hoorn ist Ignaz wieder mitgefahren, der damals in Saal an der Donau von Bord gegangen ist. Mit ihm habe ich das letzte Stückchen Fluss befahren.

13.06.21 Stromkilometer 506 - Schierstein - Koblenz

Crewwechsel 1: Schierstein

Ein denkwürdiger Tag für Taranga. Für mich und die Crew sowieso. Wir mussten durch die gefährliche Gebirgsstrecke fahren. Das Bingener Loch und die Loreley sind für jeden Flussschifffahrer immer eine Herausforderung. Um den Rhein durchgängig schiffbar zu machen, sprengte man
kurzerhand eine Schneise ins Gebirge. Teile der gesprengten Felsen liegen heute noch im Fluss. Bei Niederwasser haben Schiffe teilweise Schwierigkeiten durchzukommen. Wir hatten Glück. Wir kratzen gerade unter der Hochwassergrenze. So ging`s dann recht zügig mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 24,5 km/h durch Bingen.

Weil ich ja schon im Vorhinein von verschiedenen Kollegen vor der Gebirgsstrecke gewarnt wurde, hatte ich ein mulmiges Gefühl als wir kurz vor der Loreley waren. Die Empfehlung der Kollegen war, sich an einen bergabfahrenden Frachter anzuhängen, da dann das Verkehrsleitsystem auf unserer Seite grün zeigt und wir problemlos durchfahren können. Dummerweise war gerade zu der Zeit kein bergabfahrender Schubverband in Sicht. Vorsichtshalber habe ich die Revierzentrale Oberwesel angefunkt um zu fragen wie es verkehrstechnisch aussieht. Als Sportschiff wurden wir nicht ernst genommen. Auf die Frage ob die Durchfahrt aufgrund des Verkehrs nicht gefährlich sei war die Antwort „Das ganze Leben ist gefährlich“. So haben wir uns hineingestürzt ins Getümmel. Glücklicherweise kam uns niemand entgegen und wir sind unbeschadet durchgekommen.

Nach 5-stündiger Fahrt kam dann schon die Abzweigung am „Deutschen Eck“ wo wir in die Mosel eingebogen sind um in Koblenz Station zu machen. Wir hatten uns dort deswegen einen Liegeplatz gesucht, weil wir vermuteten, dass es da ruhig sein wird. Eine Schleuse war noch zu bewältigen. Kurze Zeit nach der Schleuse, ein Stückchen die Mosel bergauf, hatten wir angelegt. Klaus, ein ausgewanderter Kärntner hat uns am Steg empfangen. Am Abend spazierten wir zum Abendessen und zur Besichtigung nach Koblenz. Mit dem Taxi fuhren wir wieder zurück, tranken noch einen Absacker und gingen mit einem Sack Erlebnisse zu Bett.

14.06.21 Stromkilometer 592 - Koblenz - Köln

Von Koblenz bis Köln ging es wieder zügig bergab. 

Wir sind um 7:30 Uhr früh in Koblenz gestartet. Nachdem wir nach der Schleuse wieder beim  „Deutschen Eck“ in den Rhein eingefahren sind, ging es wieder ziemlich schnell zur Sache. So kamen wir 6 Stunden später dann in Köln an und hatten in dieser Zeit eine Strecke von 96 km zurückgelegt, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16km/h entspricht.

Köln war sehr nett, denn wir trafen unsere Freunde von der Linssen wieder. Am Nachmittag haben wir mit ihnen am Achterdeck ein ein paar gute Augustiner Bier geleert. Abends suchten wir uns ein Gasthaus und aßen Rumpsteak im schattigen Gastgarten unter Bäumen. Gut gesättigt ging es in die Koje um am nächsten Tag die letzte Etappe mit meiner ersten Rhein – Crew bis Düsseldorf zu schippern.

15.06.21 Stromkilometer 687,5 - Köln - Düsseldorf

Von Düsseldorf aus mussten Renate und Manfred nach Hause fahren.

Die Abfahrtszeit des Zugs war 14:30 Uhr vom Düsseldorfer Hauptbahnhof. Die heutige Etappe betrug lediglich 56 km. Trotzdem starteten wir um 08:00 in Köln. Die 56 km waren in 3 Stunden gut zu bewältigen. Um 11:15 lagen wir im Düsseldorfer Stadthafen fest. Der Hafenmeister hat uns nett empfangen, meinte lediglich, dass es sein könnte, dass ich mich vielleicht diese Woche noch umlegen muss. Aber das ist nicht sicher.

Renate und Manfred habe ich dann noch zur Straßenbahn begleitet und Geld behoben für die Liegegebühr.

Da ich in Düsseldorf sowieso zwei volle Hafentage hatte, weil Ignaz erst am Donnerstag Abend anreist und ich mich mit meinem Freund Schicki erst am Mittwoch verabredet hatte, habe ich gleich am Nachmittag noch ein Nickerchen eingelegt. 

Am Abend kochte ich mir noch ein Tiroler-Gröstl, damit auch noch die letzten alten Vorräte aufgebraucht wurden. Vorm schlafen gehen, genoss ich noch ein zwei Dosen Diebels Altbier und ging gut gelaunt zu Bett.

16.06.21 Hafentag 1 Düsseldorf

Zuviel Hitze in dieser Stadt, ein Falco Klassiker lässt erahnen, wie hoch die Temperaturen im Düsseldorfer Stadthafen waren. Teilweise hatte ich bis zu 37 Grad in der Kajüte. Egal. Heute ist echt ein super Tag. 

Mein alter Schulfreund Schicki ist extra aus Dortmund angereist, um mich zu besuchen. Er nahm auch gleich Jessica mit, eine Bekannte, die gerne mal die Taranga besichtigen wollte. Erst hatten wir ein paar Bierchens an Bord getrunken und anschließend machten wir die Altstadt unsicher. Im „Füchschen“, eine Empfehlung von Katha, einer guten Bekannten aus Holland, tranken wir Altbier bis zum sprichwörtlichen Abwinken. Wenn der Deckel drauf ist, hat der Kellner erbarmen und man bekommt nichts mehr eingeschenkt. Was auch gut war, leicht beduselt wankten wir noch an die Rheinpromenade und tranken Absacker in der Abendsonne. Spät Abends begleitete ich noch Schicki und Jessica zum Hauptbahnhof, weil sie ja noch nach Dortmund mussten, da sie ja am nächsten Tag arbeiten sollten.

17.06.21 Hafentag 2 Düsseldorf

Crewwechsel 2: Düsseldorf

Fast genauso heiß wie am Vortag, saß ich im Schatten der Bäume und wartete bis Ignaz in Düsseldorf ankommt um mich bis nach Hoorn zu begleiten. Um 16 Uhr war es dann so weit und er erwartete mich bereits an Bord, nachdem ich noch unterwegs war um etwas Schatten zu suchen.

Er brachte auch die neue Funkantenne mit, die wir im laufe des Nachmittages noch installierten. Als das ganze System mit der neuen Antenne dann aktiv war, konnten wir gleich Schiffe im Umkreis von 40 Kilometern am AIS sehen. Mission geglückt. Am Abend gingen wir dann noch einmal ins Füchschen essen und bekamen am Rande mit, dass die Österreicher von den Holländern mit 2:0 besiegt wurden.

18.06.21 Stromkilometer 743,5 - Düsseldorf - Emmerich am Rhein

Aufgrund der extrem heißen Temperaturen sollte es zeitig in der Früh losgehen. 

Um 06:15 machten wir die Leinen los und dampften Stromabwärts den Rhein entlang durch das Ruhrgebiet wo riesige Schlote an eine florierende Wirtschaft erinnern.
Vorbei an Duisburg, den Rhein entlang, bis nach Emmerich am Rhein. Die letzte Stadt in Deutschland, wo die Bewohner schon mit ziemlich lustigem Akzent sprechen.
Weil wir nicht genau wussten, wie es weitergehen wird, wollte ich unbedingt noch einen Kanister Diesel tanken. Wir rückten mit Ignaz` Klappfahrrad aus und bunkerten noch 28 Liter. Rückwirkend gesehen war das die richtige Entscheidung wie wir später noch sehen werden. Abends gingen wir zum Italiener essen. Anschließend schlupften wir in die Koje.

19.06.21 Stromkilometer 853,5 - Emmerich am Rhein - Tiel

Wir legten wieder sehr früh ab. Zwar hatten wir nur 61 Kilometer vor uns, jedoch wollten wir uns noch die Stadt Tiel ansehen, die übrigens die erste Stadt in Holland war, die wir anliefen. Erst noch ein Stückchen Rhein, dann hielten wir uns links und fuhren in die Waal.

Auf der Waal war sehr viel Verkehr. Klar, alles fährt von oder nach Rotterdam. Die Wellen waren höher als die vom Attersee jemals zuvor. Strömung war vorhanden und so surften wir mit 17 km/h an den dicken Frachtschiffen vorbei. Nach nur 4 Stunden und 61 km später waren wir am Ziel angelangt. In Tiel wurden wir sehr freundlich empfangen. Eine Frau die sagte, dass Sie den Hafenmeister vertritt, half uns beim Anlegen und überreichte uns sogleich den Code für die Türe zum WC und für das Tor am Zaun.

Tiel war eine typisch niederländische Stadt mit Backstein Pflastern und Naturziegelhäusern. Es war Samstag. Samstags ist in Holland Markttag. Obst und Gemüsehändler stehen genauso an der Straße wie Kleider und Blumenhändler. Nachdem wir eine Zeitlang durch das Geschehen geschlendert sind, hatten wir Gusta auf ein Bier. Nach unserer Bierpause gingen wir zufrieden aufs Boot, machten uns einen Thunfisch-Salat, ließen den Abend ausklingen, und gingen schlafen.

20.06.21 Stromkilometer 914,5 - Tiel - Hoorn

Am Morgen beim Aufstehen ahnten wir noch nicht, dass wir an diesem Tag schon unseren Zielhafen erreichen sollten. Eigentlich wollten wir eine Nacht in Amsterdam verbringen. Jedoch auf Grund der Wetterlage entschieden wir uns gleich nach Hoorn durch zu fahren. 

Für Morgen war Starkregen angesagt. Dies veranlasste uns dazu, den reservierten Liegeplatz im Amsterdamer Entrepot – Hafen wieder zu stornieren. Der Hafenmeister zeigte vollstes Verständnis und bedankte sich dafür, dass wir uns abgemeldet hatten. Das scheint nicht Usus zu sein.

Es war Sonntagnachmittag und noch dazu schönes Wetter. Um von Het-Ij in das Marker Meer zu gelangen, muss man durch die „Oranje Sluizen“ durch. Anders als überall bisher geht es hier zu. Ich meldete mich wie gewohnt am richtigen VHF Kanal an und mir wurde gesagt, dass es keinen Grund zu funken gibt, weil sowieso alle der Reihe nach geschleust werden. Nachdem wir zur richtigen Kammer kamen, mussten wir erst einmal anlegen. Blöderweise hatten wir alles auf der falschen Seite vorbereitet und mussten schnell noch alles umbauen. 

Nach zirka einer halben Stunde Wartezeit durften wir einfahren. In Holland laufen die Schleusenvorgänge anders ab als in Deutschland und Österreich. Alles wirkt ein bisschen chaotisch, ist es aber nicht. Die Schleuse selbst war mehr ein Sperrtor als eine Schleuse und so war auch kaum ein Höhenunterschied zu bemerken. 15 Minuten später ging das Tor auf der anderen Seite wieder auf und wir durften genauso zügig ausfahren, wie wir eingefahren sind.

Die Segelboote, die mit uns geschleust hatten mussten vor der Brücke nach der Schleuse warten bis diese aufging. Wir hatten Glück, weil ja unser Mast gelegt war, und so fuhren wir sogleich unter der Brücke durch 🙂

Vorbei an der Insel Marken gings gen Norden. Nach gut drei Stunden Motoren am Markermeer bemerkte ich, dass der Motor wärmer wurde und auch die Geschwindigkeit abzunehmen schien. Erst schob ich es auf die Wellen und den Wind, gab die Info aber an meinen Co-Skipper weiter. Ignaz meinte, es könnte an dem Kraut liegen, das speziell an der Westseite des Markermeeres wächst. Also stoppte ich erstmal, gab Gas Achteraus und siehe da, es kamen eine Menge Pflanzen aus meiner Schraube zum Vorschein. Als ich nun wusste, auf was ich achten musste, sah ich plötzlich ringsum dieselben Pflanzen. Shit dachte ich bei mir, wie sollen wir da wieder rauskommen. Es benötigte ein paar dieser Manöver und schlussendlich schafften wir es doch noch bis Hoorn ohne fremde Hilfe. 

Um ca. 19:00 liefen wir in den Hafen ein und fanden gleich unseren neuen Stammliegeplatz. Ein freundlicher Kerl aus Amsterdam, der sein Boot in Hoorn stationiert hat, half uns beim Anlegen.

Somit ging unsere einmonatige Flussreise an einem Sonntagabend in Hoorn zu Ende.

Am Main

Der Main schlängelt sich von Bamberg bis Mainz auf einer Länge von 384 km durch drei unterschiedliche Bundesländer in Deutschland. Für uns bedeutete das in jedem Bundesland eine neue Corona Bestimmung…

Der Main von Bamberg nach Schierstein

05.06.21 Flusskilometer 384 - Bamberg - Schweinfurt

Crewwechsel…
Nachdem Susi nach Hause fahren musste um wieder zu arbeiten, kam die neue, steirische Crew zu mir an Bord. Sie wollten mich bis Mainz oder, wie sich später herausstellen sollte, Schierstein, begleiten.

Samstag früh, gleich nach dem Crewwechsel sind wir vom Motor und Segelclub Coburg in Bischberg losgetuckert. Charly begleitete uns noch mit seinem Gummi-Motorboot bis zur Schleuse Viereth um uns zu verabschieden. Relativ plan – und ziellos versuchten wir unterwegs einen netten Liegeplatz zu finden. Unser Wunsch wäre Wipfeld gewesen, doch schnell stellte sich heraus, das wir mit unseren 1,8 m  Tiefgang chancenlos waren um anlegen zu können. Der Hafenmeister wollte uns auch klarmachen, dass wir am Main als Segelboot sowieso kaum wo Platz finden würden.

Wir ließen uns jedoch nicht entmutigen und so fanden wir an der Schweinfurter Stadtmauer ein Quartier für die Nacht. Nach dem Anlegebier, das dank der steirischen Crew wieder Usus wurde, gingen wir erst einen Happen essen. Nachdem wir zurück an Bord waren, kam die Hafenmeisterin angeradelt und wollte 5 € Stromgeld. Das mit dem Strom wäre kein Problem gewesen, hätten nicht die Jugendlichen bis 5 Uhr Früh Party neben unserem Schiff gefeiert…

06.06.21 Flusskilometer 332 - Schweinfurt - Würzburg

Man merkt schon, dadurch dass die Schifffotografin nach Hause gefahren ist, wird es auch mit den Fotos etwas weniger…

Gerädert nach der passiven Party Nacht standen wir um 05:30 Uhr auf und kochten uns erst einmal Kaffee. Da wir direkt neben der Schleuse Schweinfurt lagen hatten wir direkte Sicht auf die Schleusenzufahrt. Ein kurzer Blick mit fadem Auge in Richtung Schleuse genügte und wir erspähten ein Frachtschiff das gerade in die Schleuse einfuhr. Sogleich riefen wir beim Schleusenwärter an ob wir auch gleich mitfahren dürften. OK war die Antwort und so hatten wir unseren Schleusenöffner des Tages gefunden 🙂

Der holländische Frachter vor uns war echt ein Glücksfall. Wir schafften 80 km und konnten 9 Schleusen gut machen. Um 18:00 konnten wir im Sportboothafen Würzburg festmachen.

Highlight des Tages – leider nicht für Michi:
Vor der Schleuse Dettelbach mussten wir uns an der Spundwand vor der Schleuse festmachen und auf die Einfahrtserlaubnis warten, weil ein großes Frachtschiff erst noch geschleust werden musste. Nachdem es aus der Schleuse ausgefahren und am Ende der Spundwand war, produzierte es durchs Gas geben so einen Wellenschlag, dass Michaels Handy aus seiner Brusttasche direkt über Bord fiel. Somit war es auch für Michi eine ruhige Woche. Leider waren die Fotos futsch… 

 

07.06.21 Flusskilometer 253,2 - Würzburg - Wertheim

Aufgrund des schlechten Wetters blieben wir heute etwas länger im Bett. Nachdem wir schließlich doch aus den Federn gekommen sind, wurde die Crew noch einmal zur Körperpflege aufgerufen, weil man sich nicht sicher sein konnte, wo die nächste offene Dusche war.

Die heutige Tagesetappe wäre Lohr gewesen. Das Problem mit Lohr aber war, dass der gesamte Hafen aufgrund von Covid geschlossen war. Deswegen haben wir umdisponiert und sind die 96 km bis Wertheim gefahren. Um in den Hafen zu kommen, der in der „Tauber“ – Mündung liegt, mussten wir erst unter einer Brücke zwischen zwei Brückenpfeilern durchfädeln und dann etwa 500 Meter Fluss aufwärts fahren. Weil sich das Ganze allerdings hinter einer kleinen Landzunge befindet, hat hier der Main etwas Sand in die Kurve geschaufelt und wir küssten beim Abbiegen den sandigen Mainboden.

Unser Liegeplatz für die Nacht war das Clubschiff des MYC Wertheim an das wir uns im Packerl anlegten. Duschen und WCs waren geschlossen. Die einzige Infrastruktur war, dass wir unseren Müll dort lassen konnten. Nach einem Stadtbummel mit anschließender Pizza und Bier to go gingen wir entspannt zu Bett.

08.06.21 Flusskilometer 156,6 - Wertheim - Miltenberg

Am nächsten Tag gab’s frisches Gebäck vom Bäcker zum Frühstück. Nach dem Frühstück ging ein Teil der Crew einkaufen und ich blieb zurück um die Motorwartung zu erledigen.

Als wieder alle zurück an Bord waren und der Einkauf gestaut war, legten wir ab. In Schweinfurt haben wir den Tipp bekommen, dass man im Städtchen Miltenberg unbedingt halten muss, weil es ein Juwel sein soll. Da wir es sowieso nicht mehr recht eilig hatten, weil wir die letzten Tage so flott unterwegs waren, fuhren wir lediglich die 30 km bis zum Yachtclub Miltenberg

Es war auf jeden Fall wert hier zu stoppen. Nach dem Essen und dem obligatorischen Anlegebier wanderten wir in die Stadt. Miltenberg selbst ist ein Traum. All die Fachwerkbauten mit den windschiefen Häuschen. Die Architektur geht teilweise bis ins 12. Jahrhundert zurück. 

Am Rückweg zogen sehr schnell schwarze Wolken am Himmel auf. Kurze Zeit später fielen schon vereinzelt schwere Tropfen vom Himmel. Zwei Minuten später goss es in Strömen. Stefan und ich konnten gerade noch schnell genug laufen um zum Yachtclub zu kommen. Michael und Herwig mussten sich unterwegs unterstellen. Es schüttete, hagelte und wehte teils so stark, dass wir selbst unter dem Vereinshaus, welches nach allen vier Seiten offen war, weil es auf Stelzen stand, nass wurden. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei.
Um das Spektakel ausklingen zu lassen, durften wir uns netterweise ins Clubhaus des Vereins setzen.
Für die Nachbesprechung hatten wir drei Flaschen des leckeren örtlichen Rieslings nötig. Als es Zeit wurde zum Schlafen gehen, musste Michael leider feststellen, dass es trotz geschlossener Luke ins Vorschiff geregnet hatte. Eilig legten wir alles trocken und begaben uns zur Nachtruhe.

09.06.21 Flusskilometer 125,1 - Miltenberg - Hanau

Nach einer ausgiebigen Dusche haben wir gegen halb 9 Uhr erstmal die Schleuse angefunkt. Der nette Schleusenmeister hat gemeint, dass wir langsam kommen können, allerdings wartet er noch auf einen französischen Frachter, dessen Crew in Miltenberg zum Einkaufen gegangen ist. Sollten sie nicht bis 09:00 zurück sein, so würden wir gesondert geschleust werden.

Von Linz weg hatte ich das Gefühl, dass mit unserer UKW-Funkanlage etwas nicht stimmte. Am AIS sah ich kaum Schiffe. Wenn dann nur, wenn man sie auch mit freiem Auge vorm Bug erkennen konnte. Dafür hätte ich aber kein AIS gebraucht. Deswegen überprüfte Herwig mit dem Messgerät noch schnell die Funkantenne und stellte fest, dass die „hinüber“ war. Daraufhin bauten wir mit einer Messstrippe eine provisorische Antenne an unseren „Mast“. Siehe da, selbst mit dieser Antenne konnten wir plötzlich Schiffe im Umkreis bis zu 10 km ausmachen.

In Hanau, kurz vor Frankfurt wollten wir Station machen. So sind wir nur 6 Schleusen und 69 km an diesem Tag gefahren. Immerhin jedoch wechselten wir wieder das Bundesland und somit fuhren wir von Bayern nach Hessen. Im Hanauer Bootsclub wurden wir dann sehr herzlich von einem Crewmitglied aufgenommen. Uns wurde erklärt, dass wir die ersten Gäste in dieser Saison sind. Das bedeutete, dass wir zwar WCs, aber keine Duschen haben werden. Egal, nett war‘s allemal zu plaudern. Abends gingen wir dann noch zum Kroaten um die Ecke und ich kam um die Cevapcici nicht herum 😉

10.06.21 Flusskilometer 55,9 - Hanau - Frankfurt

Heute fahren wir bis Frankfurt. Es ist gar nicht so einfach, in einer Großstadt einen passenden Liegeplatz zu finden. Im WSC Kaiserlei fanden wir dann einen echt netten Anleger mit sehr sehr freundlichen Leuten. Zufällig kamen wir auch noch neben einem roten Stahlboot zu liegen:-)

Robert, der Clubwart  im WSC Kaiserlei, ein 92-Jähriger Wiener, war vor langer Zeit nach Frankfurt ausgewandert. Er wohnte auf seiner Motoryacht und fuhr bis vor kurzem noch quer durch Europa damit. Sehr zur Freude dass er uns Österreicher getroffen hatte, gab er gleich ein paar Anlegebierchens aus.  

Während sich die übrige Crew mit den Clubmitgliedern anfreundete, erledigte ich noch ein paar anstehende Wartungsarbeiten am Schiff. Nachdem ich später zu der illustren Runde im Clubhaus stieß, waren wir auch schon zum Abendessen eingeladen. 

Als Menü stand gegrillte Leber mit Apfelspalten, Kartoffelpüree und Eisbergsalat mit Kernöl auf der Speisekarte. Das Kernöl kam natürlich von uns bzw. meiner steirischen Crew. Dass wir mehr Freude mit dem Öl als unsere hessischen Freunde hatten, war eigentlich klar. Im Gegenzug aber hatten wir sehr viel Freude mit ihrem Apfelwein. Spät Abends, als keiner mehr gerade sitzen konnte wankten wir zum Schiff zurück.

Was wir hoffen ist, dass wir dem Club keinen zu großen finanziellen Schaden zugefügt haben, weil sich die 20€ Liegegeld schon nach dem Anlegebier amortisiert hatten.

Wir möchten uns auf jeden Fall bei Euch noch recht herzlich für die Gastfreundschaft bedanken 🙂

11.06.21 Flusskilometer 38,8 - Frankfurt - Schierstein

Nachdem wir uns von unserem Freund Robert verabschiedet hatten, legten wir gegen 10:00 Uhr in Frankfurt ab. Vor der letzten Mainstaustufe, der Schleuse Kostheim, mussten wir rund eine Stunde auf die Schleusung warten. Als es dann soweit war, durften wir hinter dem Frachter „Tatiana“ einfahren. Die Schleusenkammer war so lang, dass selbst vor der „Tatiana“ noch ein Frachter gemeinsam mit uns bergab geschleust wurde.
Vor der Schleuse waren es nur wenige Kilometer bis zur Mainmündung. Etwas oberhalb von Rheinkilometer 497 war es dann soweit: Wir mündeten in die „Autobahn“ Rhein. Nicht nur, dass es auf Grund der Strömungsgeschwindigkeit hurtig zur Sache ging, es waren auch die Wellen, die die Gischt über unser Deck hinweg spritzen ließ. Glücklicherweise haben wir den Mast, auf Anraten von Jürgen Kirchberger, in Linz noch einmal ordentlich verzurrt.

Nachdem wir zwischenzeitlich mit 18 Stundenkilometern unterwegs waren, dauerte es keine halbe Stunde bis wir in Schierstein schon wieder von der „Autobahn“ runter gebogen sind. 

Das Hafenbecken von Wiesbaden – Schierstein ist so groß, dass selbst kleinere Segelboote darauf segeln. Nebenbei muss auch festgehalten werden, dass hier einige sehr gute Shark 24 Segler beheimatet sind.

Beim WSV Schierstein hatten wir uns einen netten Anlegeplatz angelacht. Nach dem Anlegebier kochte uns Herwig endlich seine berühmten Eiernockerl, die er uns schon seit Miltenberg versprochen hatte. Zum Ausklang unserer gemeinsamen Main-Fahrt probierten wir natürlich noch die regionalen Weine, die wir unterwegs gekauft hatten. Somit wurde es trotz trockenem Wetter noch ein letzter gemeinsamer feucht-fröhlicher Abend. Denn leider heißt es morgen für meine steirische Crew Abschied nehmen. 

Kanalfahrt am Rhein-Main-Donau Kanal

Der RMD Kanal ist eine 171 km lange Wasserstraße. Er wurde gebaut um einen schiffbaren Handelsweg quer durch Europa zu schaffen. Aber auch für uns um in den Norden zu gelangen…

Der Rhein-Main-Donau Kanal von Kelheim nach Bamberg

30.05.21 Kanalkilometer 171 - Kelheim - Beilngries

Wer glaubt, dass eine Kanalfahrt langweilig sein würde, der sollte mal den Rhein-Main-Donau Kanal befahren. Vorbei an Burgen und Schlössern, davor und danach wieder eine Schleuse, dazwischen Kaffee, Sonnenschein am Himmel – es gibt Schlimmeres 🙂

Nachdem wir in Kelheim gegen 09:00 Uhr aufgebrochen waren, stießen wir gleich bei der ersten Schleuse auf unseren Stegnachbarn von der Linssen. Weil wir sowieso in die gleiche Richtung fuhren, beschlossen wir das zusammen zu tun, weil die Schleusen, wenn man im Konvoi fährt, schneller vor einem öffnen. Auch der Schleusungsvorgang lief reibungslos, weil alle Schleusen mit Schwimmpoller ausgestattet waren. So ging’s zügig unserm Tagesziel Beilngries entgegen.
Das Wetter war herrlich, wir hatten Zeit für Kaffeepausen und Elchi durfte vom Heck aus alles beobachten. Vorbei am Städtchen Riedenburg, wo wir ein Jahr zuvor bei unserer Kanalbesichtigung einen herrlichen Abend im Hotel und Restaurant Gasthof zur Post verbracht hatten.

Gegen 15:30 Uhr machten wir im Motoryachtclub Altmühltal in Beilngries fest. Für die Bayern war der 30.05.2021 ein denkwürdiger Tag, weil die Gastronomie nach über einem halben Jahr wieder ihre Pforten geöffnet hatte. So gingen wir mit unseren Motorbootfreunden ins Restaurant des Motorbootyachtclubs und genossen ein herrlich italienisches Essen. 

Weil wir am nächsten Tag schon um 4:00 Uhr aus der Koje mussten, um mit unseren Freunden schon um 05:00 Uhr im Konvoi nach Nürnberg zu fahren, schlupften wir schon sehr früh in unsere Koje.

31.05.21 Kanalkilometer 128,6 - Beilngries - Nürnberg

Weil die Linssen ein Problem mit der Generatorkühlung hatte, verzögerte sich die Abfahrtszeit um 35 Minuten. Der Generator versorgte nämlich das Bug- und Heckstrahlruder mit Strom und war somit ein wichtiger Bestandteil an Bord. Weil aber der Fehler nicht gefunden werden konnte, beschloss Richard es ohne Bug und Heckstrahler zu versuchen. Ich hab ihm noch angeboten, dass wir uns in Nürnberg der Sache noch einmal annehmen werden.
Für uns war es eine super Fahrt im morgendlichen Nebel. Es wirkte fast schon herbstlich und wir brauchten sogar unsere Navigationsbeleuchtung. Die Fahrt war wieder einmal reibungslos verlaufen weil Richard uns bei den Schleusenwärtern schon vor angemeldet hatte und die wussten, dass eine Motoryacht mit Segelboot im Schlepp ankommen würde. Somit machten wir 64 km und 7 Schleusen gut. An diesem Tag passierten wir auch die Wasserscheide und die Höchste Schleuse in Hilpoltstein mit einer Fallhöhe von 24,5 Metern.

Gleich nach dem Anlegen im 1. Motoryachtclub Nürnberg machten wir uns an das Problem mit der Generatorkühlung. Nach einigem Suchen kam plötzlich eine Walnuss aus dem Borddurchlass herausgesprudelt. Siehe da, als die Nuss weg war, lief der Generator wieder einwandfrei. Das war Anlass genug um mit einer halben Kiste Münchner Augustiner Bier anzustoßen. Spät Abends wackelten wir (vor allem ich) in unsere Koje.

01.06.21 Kanalkilometer 65,2 - 1. Motoryachtclub Nürnberg - Hafentag

Heute war Hafentag.
In der Früh erst einmal das Boot gereinigt und auf Vordermann gebracht. Motor gewartet. Susi war Blumenpflücken. Zu Mittag gab’s Salat. Lesestunde und bummeln im Hafen war noch angesagt.
Beim Bummeln haben wir auch die „Anshin San“ gefunden. Das Boot, mit dem Ignaz im Sommer 2020 nach Amsterdam fahren wollte. Das Vorhaben musste aber leider wegen vieler technischer Mängel abgebrochen werden.
Am Abend bekamen wir noch Besuch von Heike und Sebastian. Wir kennen uns schon seit Ewigkeiten, weil sie jedes Jahr die Sommerferien am Attersee verbrachten. Das freute uns ganz besonders, weil Heike einen selbstgebackenen Kuchen und frische Eier von den hauseigenen Hennen mitgebracht hatte. Sebastian hat mich netterweise mit dem Auto zum Supermarkt gebracht, deswegen brauchte ich nicht die vielen Flaschen und Dosen zum Boot schleppen. Als Heike und Sebastian wieder weg waren machten wir noch einen Spaziergang um das Verkehrsnetz Nürnbergs zu studieren, denn Morgen steht eine Stadtbesichtigung an.

 

02.06.21 Kanalkilometer 65,2 - 1. Motoryachtclub Nürnberg - Stadtbesichtigung

Heute stand Nürnberg am Programm.

Mit der S-Bahn ging’s vom Yachtclub ins Nürnberger Stadtzentrum. Dort angekommen kauften wir uns erst einmal ein Bratwurst-Brötchen. Denn schließlich ist ja Nürnberg für seine leckeren Bratwürste bekannt.
Ebenso wie für den Maler Albrecht Dürer. Nun sind die Beiden so gar nicht miteinander zu vergleichen, doch hat jeder für sich seinen Reiz. 
Doch was wäre Bratwurst ohne Kaffee. So legten wir noch vor der Burgbesichtigung einen Kaffeestop ein. Anschließend haben wir die Nürnberger Burg erklommen und genossen die Aussicht über Nürnberg.
Nach dem Abstieg haben wir uns noch vom Markt frischen Spargel gekauft und so gab’s zum Abendessen köstlichen Spargel mit Kartoffel und Hollandaise Sauce.

03.06.21 Kanalkilometer 0 - Motor und Segelclub Coburg

Weil uns noch sechs Schleusen bis Bamberg bevorstanden und wir nicht zu spät bei „Charly“ im Motor und Segelclub Coburg in Bischberg ankommen wollten, sind wir schon früh los gefahren. Durch die erste Schleuse mussten wir noch alleine durch. Ab der zweiten Schleuse konnten wir uns mit einem niederländischen Frachter zusammenfunken und so wieder unser bewährtes „Schleusenöffnersystem“ nutzen.

In Bamberg erwarteten uns Charly und Erika bereits an ihrem Steg, den sie extra für uns frei gemacht hatten. Sie winkten uns schon fröhlich zu. Leider waren die Duschen auf Grund der Corona – Verordnung geschlossen und so gab’s nur Katzenwäsche.

Am Abend sind wir dann auf Empfehlung in das Gasthaus „Mainlust“ zum Essen gegangen, haben köstliches Bier getrunken und Schnitzel gegessen. Zurück im Hafen tranken wir mit Charly und Erika noch ein paar Bierchens und gingen müde zu Bett.

Tage später erreichte uns ein E-Mail von Anette, die uns während unserer Fahrt bei Erlangen während ihren morgendlichen Runden am Kanal vorbei tuckern sah. Das war wirklich eine nette Überraschung.

04.06.21 Kanalkilometer 0 - Motor und Segelclub Coburg - Bischberg und Bamberg

Wie idyllisch es hier ist kann man anhand der Fotos schon erkennen. Inmitten der großen Weiden und Bäume schwirren aber auch viele Gelsen und Mücken umher. Dank Susi’s selbst genähtem Mückennetz über der Vorschiffluke können wir während der Nacht lüften und genießen trotzdem optimalen Stechschutz. 

Am späten Vormittag sind wir dann mit dem Bus nach Bamberg gefahren. Bamberg ist sicherlich eine der schönsten Städte an der wir auf unserer Flussreise vorbei gekommen sind. Es besitzt einen mittelalterlichen Flair und ist für Bierliebhaber ein absolutes Muss. Auch die Fachwerkbauten sind absolut sehenswert. Bei einem Brückenbier vor der Altstadt kann man den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Nach der Stadtbesichtigung gingen wir auf Empfehlung von Susi’s Freundin Andrea ins Gasthaus „Kachelofen“ auf Bratwurst und Rauchbier. Hier hat uns auch die steirische Folgecrew aufgegabelt. Nach dem gemeinsamen Nachmittagskaffee sind wir dann zurück nach Bischberg gefahren.

Am Abend haben hatten wir noch eine Einladung von Charly und Erika in ihrem Wohnwagen, wo wir noch einige Gläschen vom Bootseigenen Veltliner aus dem Stiftsweingut Herzogenburg getrunken hatten. Gegen 23:00 Uhr sind wir dann in die Koje getorkelt.

Manche Begegnungen, die man auf Reisen erfährt, kann man oft nicht in Worte fassen. Ebenso wenig kann man das Gefühl beschreiben wie es sich anfühlt, wenn man mit den Heinritz’n in ihrem Wohnwagen bei ein paar Gläschen Wein zusammen sitzt und sich bis spät in die Nacht über Vergangenes, Gegenwärtiges oder die Zukunft austauscht. Die kurze, gemeinsame Zeit mit euch wird für uns unvergessen bleiben. Herzlichen Dank und weiterhin viel Freude bei eurem Tun im Motor und Segelclub Coburg. 

PS: Seit Bamberg gibt es jetzt die Bordratte Rudi die auf unser Schiffi aufpasst.n

An der schönen blauen Donau

Jahr um Jahr tanzen die meisten von uns zum Donauwalzer in der Silvesternacht. Wie es uns auf unserer Bergfahrt auf der schönen blauen Donau ergangen ist, lest ihr im folgenden Bericht…

Die Donau von Linz bis Kelheim

22.05.21 Stromkilometer 2132 - Linz - Winterhafen - Schlögen

Kurz vor 07:00 Uhr waren wir komplett. Manfred und Renate kamen noch an Bord um uns bis Aschach zu begleiten. Um 07:00 Uhr löste Ignaz dann die Leinen. Schließlich wurden wir am Abend bereits in Schlögen erwartet. Agnes und Leo standen schon auf der Apollo um uns zum Abschied zu winken. 
Da die Donau Post anscheinend gut funktioniert, wurden wir vor der Schleuse Ottensheim von der Donaubus Radfähre, die zwischen Linz und Ottensheim verkehrt, noch verabschiedet. Markus Luger, der Besitzer der Fähre, hatte selbst vor Jahren ein Boot aus den Niederlanden nach Schlögen überstellt.
Unsere erste Schleusung in Ottensheim war ein voller Erfolg. Nicht zuletzt, weil Manfred aus Wolfgangs übrigem Holz, welches wir für die Mastauflager gesponsert bekamen, noch einen Rammbock baute, der die Schläge gegen die Schleusenwand abfedern sollte. In Aschach gingen Renate und Manfred von Bord. Da ich aufgrund meines Zweitstiches am Tag vor der Abfahrt etwas müde war, bin ich unserer Begleitcrew zu großem Dank verpflichtet, da sie meinen Dienst übernahm und ich mich im Vorschiff ausrasten konnte.
Vor der Schleuse Aschach hatten wir weniger Glück. Wir mussten 1,5 Stunden auf die Schleusung warten. Was aber nicht weiter störte, da die Crew schon redlich Appetit verspürte. So legten wir uns noch an den Anleger vor der Schleuse und begannen herzhaft zu jausnen.
Gegen 17:00 Uhr kamen wir dann nach ungefähr 10 –
stündiger Fahrt in Schlögen an, wo wir schon von Claudia und Jürgen Kirchberger (www.fortgeblasen.at) samt Thomas mit Most, Bier und Jause empfangen wurden. Das Abschiedsgeschenk von Claudia und Jürgen war ihr 50%iger Selbstgebrannter, den wir für besondere Anlässe aufbewahren werden.

23.05.21 Stromkilometer 2187 - Schlögen - Heining

Sonntag früh brachte uns Thomas zum Corona Test nach Peuerbach. Da die Corona Situation noch immer total konfus ist, wollten wir getestet über die Grenze fahren. Glücklicherweise war das Ergebnis für alle negativ und so stand der Fahrt gen Nordwesten nichts mehr im Wege. 

Um 09:30 verließen wir – wieder bei starkem Regen – Schlögen und fuhren Richtung Grenze. Bei Niederranna erwartete uns eine Überraschung. Meine Cousine Ina samt Familie stand mit einem riesen Transparent am Ufer und sie winkten uns fröhlich zum Abschied. 

Die Temperaturen am Sonntag waren ziemlich im Keller, was uns aber nicht weiter störte. Wir wechselten uns beim Steuern ab und gingen bei Freiwache unter Deck um uns in der Kajüte beim Ölofen zu wärmen.

Zwei Schleusen waren an diesem Tag zu passieren. Eine davon war Kachlet hinter Passau. Bei der Innmündung haben wir uns für die Schleusung angemeldet. Uns wurde gesagt, dass wir im Unterwasser beim Sportbootanleger warten sollten. Nämlich da, wo die Turbine das Wasser hinausschaufelt. Die erste Hürde auf dem Weg zum Warteplatz war, dass wir zwischen einer Landzunge und einem Brückenpfeiler durchfahren mussten wo die Strömungsgeschwindigkeit um die 10 km/h betrug. Kurzzeitig musste ich mit 3000 U/min fahren, was gleichzeitig die Höchstleistung des 40 PS starken Motors bedeutete. Da das Anlegen in diesem Whirlpool unmöglich war, habe ich zu Ignaz gesagt, er soll den Schleusenwärter noch einmal anrufen und fragen wie lange wir noch bis zur Schleusung warten müssten. Der Schleusenaufseher hat lediglich gemeint, ob wir die grüne Einfahrtsampel nicht gesehen hätten? Er hatte schon auf Grün geschaltet als er uns kommen sah. Von uns  konnte niemand ein grünes Einfahrtslicht ausfindig machen. Offensichtlich war die Birne kaputt.

Nach der Schleuse war es ein Katzensprung bis nach Heining. Franz, ein Segelfreund vom Attersee stand schon winkend am Steg und zeigte uns den Anlegeplatz. Dieser war, entgegen dem angewiesenen Platz vom Vorstand, außerhalb der Mole wo auch genug Tiefgang für unsere Taranga war. Im Hafenbecken betrug nämlich die Wassertiefe nur 1 m, was für unsere 1,8 m weit zu wenig gewesen wäre. Danke Franz nochmal.

Das Anlegen in Deutschland als Ausländer war kein Problem und die WCs standen offen. Lediglich die Duschen waren auf Grund von Corona gesperrt. Für uns war das an diesem Tag kein Problem weil wir von Ignazs Freund Christian zu sich nach Schärding auf ein gemütliches Abendessen samt Dusche im Wellnessbereich eingeladen waren.

24.05.21 Stromkilometer 2232 - Heining - Hofkirchen

Pfingstmontag. Heute brachte uns unser Freund Franz Croissants und Semmerl für‘s Frühstück an Bord. Danach gab es für die Crew eine interessante und geschichtsträchtige Stadtführung von Franz durch Passau. Elchi musste inzwischen auf die Taranga aufpassen. Als wir zurückkamen hat er gemeldet, dass Hartmut auf seinem Rückweg nach Attersee vorbeigeschaut hatte.

Nach dem Mittagessen zu Hause bei Franz und seiner Frau sind wir anschließend von Heining nach Hofkirchen aufgebrochen. 

Zwischen Passau und Deggendorf gibt es an der Donau eine Stelle die noch nicht von Menschenhand verändert wurde. Das ist der Abschnitt bei Vilshofen. Dass hier noch kein Kraftwerk errichtet wurde ist ein Segen für die Natur. Des einen Freud, des anderen Leid. In den warmen Monaten führt die Donau hier extremes Niederwasser, sodass größere Schubverbände leichtern müssen. Wir als Kielbootfahrer sind auf Grund unseres Tiefganges dadurch ebenfalls stark eingeschränkt. Das Problem, dass wir aufsitzen würden hatten wir aber gerade nicht. Eher das Gegenteil war der Fall. Die Donau, die gerade kurz unter Hochwassermarke I floss, strömte gewaltig gegen uns an. Wir hatten es mit Fließgeschwindigkeiten bis zu 9km/h zu tun. 

Nach 3,5 stündiger Fahrt kamen wir doch gut in Hofkirchen an. Es begrüßte uns der Hafenwart, ein Motorbootfahrer und eine Frau. Die Dame hatte extra wegen uns den Bauwagen, der als Toilette und Dusche fungierte, aus dem Winterschlaf geholt und gereinigt. Corona bedingt dürften wir so ziemlich die ersten Gäste sein, die sich auf der Donau freizeitmäßig umhertreiben. 

Nach dem Anlegebier freuten wir uns alle auf eine warme Dusche weil wir auf Grund des anhaltend starken Dauerregens durchfroren und durchnässt waren. Auch Seebären sind schließlich Warmduscher 😉

Für heute stand Deggendorf am Programm. In Deggendorf hat die Donau einen kleinen Seitenarm der als Schutzhafen eingerichtet ist. In diesem Schutzhafen suchten wir uns schon während der Fahrt eine Liegemöglichkeit aus unserem Donauführer raus bei dem auch die Wassertiefe ausreichen sollte. 


Nachdem wir angekommen waren hatten wir ein kleines Problem: Es gab vier Yachtclubs zur Auswahl und wir wussten nicht mehr genau bei welchem wir uns angemeldet hatten. Also legten wir uns an den, bei dem das Schild „Gastliegeplatz“ am besten zu lesen war. Später kamen wir drauf, dass es zwar nicht der Club war, bei dem wir angerufen hatten, aber das sollte kein Problem sein, weil sowieso keine Menschenseele da war. Auch die Information für die Gastlieger war einfach zu verstehen. Auf dem Zettel stand wo man sich eintragen musste, wo zu bezahlen war, wie das mit dem Schlüssel und der Toilette funktionierte,… fertig.


Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch Deggendorf, wo Corona bedingt tote Hose herrschte, kocht Susi ein tolles Süppchen für den nächsten Tag vor. Gott Sei Dank hatten die freundlichen Menschen vom Club den Automaten mit köstlichem Augustiner Bier befüllt und so tranken wir fröhlich Bier bis in die Abenddämmerung hinein. Lediglich die Außendusche war etwas kühl, aber wenigstens erfrischend.

26.05.21 Stromkilometer 2284 - Deggendorf - Straubing / Schleuse

Nach einer herrlichen Dusche bei nur 8°C Außentemperatur – und einem ausgedehnten Frühstück warfen wir um 07:00 Uhr die Leinen los. Eigentlich wollten wir ja bis Regensburg kommen. Aber auf Grund der Strömung, die unsere Reisegeschwindigkeit beeinflusst und der Tatsache, dass wir kein Motorboot sind, schafften wir es nur bis Straubing. 

In Straubing gab es für uns keine Möglichkeit in einem Hafen anzulegen. So kamen wir im Oberwasser an der Spundwand der Schleuse zu liegen. Es war ein netter Liegeplatz. Ruhig und etwas abgelegen von der Stadt. Ein Grund für Ignaz, sein Klapprad einzuweihen und in das zwei Kilometer entfernte Straubing zu radeln.

Weil es wie aus Kübeln goss, zogen Susi und Ich uns unser Ölzeug an und wanderten in die Stadt um einen Blick darauf zu werfen. Es bot sich das gleiche Bild wie in Deggendorf. Die meisten Geschäfte hatten geschlossen und auch die Toiletten hatten ab 18:00 Uhr keine Lust mehr den Dreck von Touristen zu schlucken. So blieb uns nichts anderes übrig als zusammen zu beißen und bis auf die Bordtoilette zu warten.

Den Abend ließen wir entspannt in der Koje ausklingen und uns von den Wellen vorbeifahrender Lastkähne in den Schlaf wiegen.

27.05.21 Stromkilometer 2230 - Straubing / Schleuse - Regensburg / Schleuse

Regensburg. Entgegen dem Namen der Stadt hatte wir Glück und das Wetter klarte auf. Gott sei dank. Routinemäßig suchten wir uns zwei oder drei Yachtclubs aus unserem Donauführer und versuchten unser Glück, einen Liegeplatz für die Nacht zu ergattern.

Beim ersten Telefonat erreichten wir den Restaurantbetreiber des Clubs der uns mitteilte, dass sie nur Boote bis 10m Länge aufnehmen würden. Der zweite Herr am anderen Ende der Leitung meinte, dass wir schon kommen können, aber er glaubt nicht, dass sich das mit dem Tiefgang für uns ausgehen sollte. Selbst einen falschen Kilometrierungsstand des Clubs hat er uns angegeben. Wir suchten vergebens. So blieb uns nichts anderes übrig als ganz Regensburg nach einer Liegemöglichkeit abzuklappern.

Als wir durch Regensburg durch waren und schon kurz vor der Schleuse standen, blieb uns nichts anderes mehr übrig als den Schleusenwärter anzufunken. Elchi fragte, ob wir die Nacht über bei der Schleuse liegen bleiben dürften. Er sagte, wir sollen kurz warten, er würde sich etwas einfallen lassen. Kurze Zeit später kam das OK, dass wir im Oberwasser hinter dem „Tram“ liegen bleiben dürfen. Was ein „Tram“ ist, wissen wir bis heute nicht, aber gefreut hat’s uns trotzdem. Deswegen konnten wir zu den Tagesordnungspunkten Stadtbesichtigung und Rum trinken übergehen.

28.05.21 Stromkilometer 2280 - Regensburg / Schleuse - Kelheim / Saal

Deutschland hatte zu der Zeit sein eigenes System mit dem Umgang von Inzidenzen. Von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich und autonom bestimmt.
Nachdem wir Tage zuvor in Kelheim angefragt hatten ob wir anlegen dürfen bekamen wir zu hören, dass die Inzidenzzahlen 5 Tage unter 100 sein müssten. Tanken dürften wir schon, übernachten nur dann, wenn es unser Heimathafen wäre. Auf die Frage was wir tun sollen, meinte die Dame am anderen Ende der Leitung, wir könnten ja an einem Ponton festmachen. Glücklicherweise lagen ja noch einige Flusskilometer und Tage vor uns bis Kelheim.
Gerade rechtzeitig, nachdem die Inzidenzzahlen einen Wert von knapp 100 (eher + als -) erreicht hatten, legten wir in Kelheim an. Die Duschen waren offiziell zwar noch geschlossen, jedoch unter der Hand gab man uns dann doch den Schlüssel für die Nassräume.
Glücklich, nicht fortgeschickt worden zu sein, machten wir es uns nach einem spannenden Tankmanöver im hinteren Eck der Marina Saal neben einer schicken Linssen gemütlich. 
Am Abend verabschiedeten wir uns von unserem Wind- und Wetter trotzenden Steuermann Igo, der schon dringend in Kroatien erwartet wurde. 

Der nächste Tag war ein Hafentag. Nach dem Frühstück begannen wir gemütlich mit Wäsche waschen, Motorservice und einkaufen. Das Einkaufen war besonders angenehm, da uns unser freundlicher Nachbar von der Linssen mit seinem Auto nach Saal und wieder zurück chauffiert hatte. Somit konnten wir auch Dosenbier und sonstige sperrige Dinge in rauhen Mengen bunkern. 
Nach getaner Arbeit erkundeten wir noch die Gegend rund um Saal bevor es ans Kochen ging. Nach einem ruhigen, entspannten und regenlosen Tag ließen wir den Abend gemütlich ausklingen.

Abfahrtsvorbereitungen

Nach dem Stress der letzten Wochen wollte ich die Woche vor der Abfahrt in Linz entspannter angehen. Aufgrund der bis dato noch unerledigten To-Do-Liste ist mir das aber leider nicht gelungen… 

Grundsätzlich hätte es eine ruhige Woche werden sollen. Besuche empfangen, Probefahrten auf der Donau, Besuche erledigen,… das war’s, was ich mir vorgenommen hatte. 

Aber leider standen noch Aufgaben auf meiner Liste, für die zu Hause keine Zeit mehr war bzw. die wieder neu hinzugekommen sind. Trotz all der vielen Do’s, die noch zu bewerkstelligen waren, hatte ich viele nette Momente, die ich nicht missen möchte. 

Aber alles der Reihe nach:

Endlich war es soweit. Taranga hatte die staubige Autobahnfahrt hinter sich gebracht und freute sich nun endlich neue Gewässer entdecken zu dürfen. Im Gebirgssee war’s zwar recht gemütlich, aber es gibt doch auch noch einiges mehr zu entdecken wie z.B. eben das Meer.

Bis es jedoch soweit ist, haben wir noch ca. 1400 km Flussfahrt vor uns. Von der wollen wir euch jetzt erzählen. 

Die Geschichte beginnt im Winterhafen in Linz an der Donau bei Stromkilometer 2132

Nach dem Kranen durch die Firma Felbermayr bei der Traunmündung kam bereits die erste Belastungsprobe für unseren neuen 40 PS starken Yanmar 3 Zylinder. Neue Gefühle stellten sich bei mir ein, als wir von der Traun in die beinahe Hochwasser führende Donau bogen und gegen die Strömung in Richtung Winterhafen dampften.

Weil Strömungsfahren neu für mich und das Schiffchen war, holten wir zur Verstärkung Manfred und Ignaz an Bord.
Trotz des wenigen Verkehrs schlug der Plotter gleich Alarm und meldete ein stromabwärtsfahrendes Fahrzeug am AIS. Nun wusste ich dass auch das AIS funktionierte. Vorbei an der VÖST kamen wir eine halbe Stunde später im Winterhafen an und freuten uns auf ein kühles Bier das uns Renate an Bord der „Esperanza“, dem Ausbildungsschiff des YCA, kredenzte. Anschließend verholten wir uns neben die „MS Apollo“ wo wir Gastfreundschaft für die restliche Woche genossen.

 

Den Dienstag wollte ich gemütlich angehen. Magda und Gerald waren extra aus Wien angereist um sich persönlich in Linz zu verabschieden. 

Aber wie es der Zufall will, war es leider ausgerechnet Dienstag an dem „Manfred der Handwerker“ seinen freien Nachmittag hatte. Deswegen musste die Verabschiedung leider abgekürzt werden. Zeit genug für ein Bierchen mit meinen Freunden aus Wien blieb aber allemal 🙂

Nachdem wir Holz vom Baumarkt geholt hatten bauten wir für hinten und in der Mitte noch zwei zusätzliche Mastauflager, sodass der Mast selbst in den Wellen des Rheins nicht verrutschen sollte. Ignaz wünschte sich noch ein kleines Bänkchen hinterm Steuerstand zur Verbesserung der Aussicht.
Als wir um 18:30 beim Feierabendbier saßen waren alle happy, dass wir so erfolgreich waren.

 

Mittwoch war Probefahren angesagt.

Ich wollte wissen, wie schnell wir vorankommen werden um später besser koppeln zu können. 

Alles lief prima. Wir fuhren mit 5 bis 6 km/h bergwärts. Selbst an der Engstelle unter der neuen Eisenbahnbrücke gab es keine Probleme. Einzige Devise: Fernhalten von Brückenpfeilern.

In Puchenau drehten wir um. Bei der Rückfahrt hatten wir zwischen 13 und 14 km/h am Tacho.

Nachdem die Generalprobe so gut geklappt hatte konnte ich am Donnerstag entspannt nach Hause fahren um mir am Freitag Früh den zweiten Stich abzuholen. 

Nachdem am Freitag zu Hause alles erledigt und ich auch Susi eingepackt hatte, bekamen wir vom jetzigen Winzer und ehemaligen Finanzminister Hans Jörg Schelling noch zwei Karton Wein vom Stiftsweingut Herzogenburg als Notproviant mit auf den Weg. 

Heinzi Mitterhauser hat sich freundlicherweise bereit erklärt uns nach Linz zu bringen. Aber nur um sicherzustellen, dass wir auch wirklich aufbrechen würden 😉 Danke Heinzi.

In geselliger Runde feierten wir noch einmal Abschied. Um 22:00 Uhr setzte ich dann alle vor die Tür um für den großen Tag ausgeschlafen zu sein, da die Abfahrt für 07:00 Uhr anberaumt war.